5 Gründe, weshalb sich Produkthersteller intensiv mit BIM auseinandersetzen sollten

05.09.2017
Steffen Seibold

Ein Begriff zieht sich durch die deutsche Baubranche und lässt Produkthersteller aufhorchen: "BIM". BIM steht für Building Information Modeling und ist die künftige Standardmethode zur Planung und Umsetzung von Bauprojekten. BIM führt das Bauwesen in die digitale Zukunft und wartet mit Herausforderungen für alle Beteiligten auf. Produktdaten spielen darin eine besondere Rolle – und damit ist das Thema wert, in unserer Blog-Serie zu Produktdaten behandelt zu werden. Warum spielt das Thema für Produkthersteller eine so wichtige Rolle? Um diese Frage zu beantworten, habe ich fünf Gründe herausgepickt, weshalb sich Produkthersteller intensiv mit BIM beschäftigen sollten.

  1. Seit 2015 führt Deutschland stufenweise BIM für öffentliche Infrastrukturprojekte ein. 2020 schon sind öffentliche Ausschreibungen mit BIM verpflichtend. Andere Länder, wie beispielsweise Großbritannien, sind bereits viel weiter und fordern verbindlich den Einsatz von Methoden zum Austausch und zur Verwaltung von digitalen Planungsdaten. Sie setzen und stellen entsprechende Standards und auch Mittel, um Richtlinien zu erarbeiten. Aber auch Deutschland geht große Schritte in diese Richtung und verstärkt sollte sich die deutsche Industrie – die ja nicht nur auf deutschen Baustellen unterwegs ist – auf BIM vorbereiten. Gerade weil die Standards noch in der Entwicklung sind, lohnt es sich, das Thema genau zu betrachten.
  2. Noch können Produkthersteller selbst bei der Entwicklung der Standards mitwirken. Diese Chance sollten sie nicht verstreichen lassen, um auch die Bedarfe ihrer Kunden an den Standard miteinfließen zu lassen. Sie können sich heute in die Entwicklung der zu optimierenden Bauplanungsprozesse auf Basis von BIM einbringen, um morgen über für sie und ihre Kunden geeignete digitale Methoden und Schnittstellen ihr produktspezifisches Fachwissen frühzeitig und Nutzen stiftend in Projekte einzubringen.
  3. BIM ermöglicht es Produktherstellern, künftig früher in Bauprojekte eingebunden zu werden. Traditionell werden Produkthersteller erst sehr spät in einen Prozess integriert. Als Erste werden bislang Architekten und Fachplaner – in der Konzeptions-/Vorentwurfsphase, für die Ausarbeitung des Detailentwurfs und die Genehmigung der Ausschreibung – aktiv, darauf folgen General- und Fachunternehmer und mit ihnen schließlich die Produkthersteller. Produkthersteller sehen sich bisher meist als Lieferanten der Fachunternehmer. Dank BIM können Produkthersteller künftig früh und vollständig in den Planungsprozess integriert werden und ohne Fachunternehmer ihre Kompetenzen bereits in der Konzeptionsphase eines Bauprojekts einbringen. Das führt uns zum vierten Punkt, denn …
  4. … ist ein Hersteller einmal in den Prozess integriert, kann das gegenüber dem Wettbewerb ein entscheidender Vorteil sein. Fortan werden Bauherren, Architekten und Fachplaner bereits zu Beginn der Planungsphase nach geeigneten Produkten für den Gebäudebau Ausschau halten. Wer dann dem Kunden maßgeschneiderte Produktdaten (3D-Grafiken, Technische Daten, Stückzahlen, Lieferzeiten etc.) in geeigneter Form zur Verfügung stellt, hat gegenüber seinen Wettbewerbern die Nase vorn. Das ist heute beispielsweise schon bei dem Hersteller von Sanitärarmaturen Grohe sichtbar, der bereits vor Jahren damit begonnen hat, BIM-Daten zu veröffentlichen. Baulinks.de schätzt das wie folgt ein: "Grohe unterstützt die Branche nicht uneigennützig mit BIM-Daten. Laut eigener Einschätzung könne die Verfügbarkeit von BIM-Daten für ein Projekt entscheidend sein: So erhöhe sich die Chance, früh von den Verantwortlichen mit einbezogen zu werden."
  5. Künftig wird es wichtiger sein, Objekte und Informationen einfach in Bauprojekte integrieren zu können. Der Stückpreis des Produkts verliert für die Planer an Relevanz. Dadurch könnten die Produkthersteller die Preispolitik zu ihren Gunsten beeinflussen. BIM erlaubt, Mengen modellbasiert und stets aktuell zu ermitteln und eine genaue Information über die Anzahl und die verwendeten Produkte zu erhalten. Damit können die Hersteller Produktionskapazitäten und Logistik "just-in-time" planen. Und nicht zuletzt können sie die Produkte automatisch – beispielsweise über QR-Codes – verfolgen und die termingetreue Lieferung nachweisen.

Gleichzeitig dürfen wir nicht die Augen davor verschließen, dass noch zahlreiche Herausforderungen auf Produkthersteller warten:

  • BIM-Projekte werden in Deutschland in vielen unterschiedlichen Systemen realisiert. Dementsprechend vielfältig sind die Anforderungen an die Produktdaten.
  • Es ist noch nicht absehbar, welche Informationen in welchen Formaten benötigt werden. Das greift natürlich unseren zweiten Punkt von oben auf. Ohne Standards ist diese Herausforderung gleichzeitig die Chance, selbst aktiv an der künftigen Gestaltung mitzuwirken.
  • Und auch der Frage, welche Softwaresysteme man bedienen möchte, müssen sich Hersteller heute stellen. Möchten sie ein
    • allgemeines, unabhängiges Format (Open BIM) oder
    • native Schnittstellen zu bestimmten Softwaresystemen (Closed BIM)?

Entscheidend bleibt die Qualität der Produktdaten. Diesem Thema widmen wir uns auch auf unserer Landingpage "So machen Sie Ihre Produktdaten fit für die Zukunft". Lesen Sie dort, welche Schritte Sie auf den Weg in die digitale Zukunft führen, wie Sie die passende Strategie und das Konzept entwickeln und nicht zuletzt, welche Tools und Methoden hilfreich sind.

Weitere Informationen zu Produktdaten finden Sie in unserer Blog-Serie zum Thema: Erfahren Sie hier mehr zu Klassifikations- und Datenmodellstandards.

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