23.10.2007
Quellenangabe: ABZ 5/2007
Artikel-Serie Teil I: Mit Redaktions-Know-how und CMS zum effizienten Übersetzungsprozess

Unter dieser Überschrift wird auf der diesjährigen tekom-Jahrestagung der Workshop von TANNER-Mitarbeiterin Margot Poschner angekündigt. Der nachfolgende Text formuliert dessen Inhalte in einem zweigeteilten Artikel. In dieser Ausgabe werden die redaktionellen Grundlagen und im nächsten "ABZ" die technische Umsetzung mit dem CMS aufgezeigt.

Dass ein Content-Management-System (CMS) den Anteil an Neu-Übersetzungen deutlich senken kann, ist erwiesen. Aber vor allem in Unternehmen mit großer Variantenvielfalt, kurzen Produktlebenszyklen und vielen Zielsprachen löst ein System im praktischen Einsatz allzu oft nicht den erhofften Mehrwert ein. Die Potenziale in der Arbeit mit einem CMS – vor allem im Übersetzungsprozess – lassen sich nur realisieren, wenn Redaktion und Entwicklung eng verzahnt zusammenarbeiten.


Zauberwort Wiederverwendung
Zeit und Kosten für die Erstellung und Übersetzung von Inhalten werden in dem Maße reduziert, wie die Wiederverwendung der Inhalte steigt – durch:
  • Standardisierung und Modularisierung von Inhalten und Daten
  • Re-Use-Möglichkeit durch ein CMS
  • Übersetzungsmanagement-System, das Delta-Übersetzungen ermöglicht

Redaktionelle Grundlagen für die Vermeidung von Übersetzungen
Die Grundlage für die mögliche Wiederverwendung von Inhalten wird bei der Erfassung in der Redaktion geschaffen. Inhalte lassen sich sprachlich, strukturell und inhaltlich standardisieren. Standardisierungs- und damit Wiederverwendungspotenzial, das hier nicht realisiert wird, kann später im Übersetzungsprozess nicht wirken.

Die strukturelle Standardisierung gelingt am besten mit einer geeigneten Methode wie dem Funktionsdesign©. Dabei werden Regeln für die Reihenfolge der Information ("Sequenzierung") definiert. Die Festlegung von Terminologie, Formulierungsmustern und Schreibregeln unterstützt den Redakteur bei der sprachlichen Standardisierung.

Wie standardisierte Bauteile bei der Konstruktion von Maschinen, so können auch standardisierte Inhalte in der Technischen Dokumentation wiederverwendet werden. Damit ein Modul in unterschiedlichen Umgebungen eingesetzt werden kann, darf es keine Information über die jeweilige Umgebung enthalten. Die so entstehenden verallgemeinerten Informationen können vielseitig wieder verwendet werden.

Redaktionelle Maßnahmen für die Generalisierung von Inhalten sind beispielsweise die Vermeidung von technischen Daten im Fließtext oder die Kapselung wiederkehrender Inhalte.


Variantenbildung

Die Generalisierung von Inhalten hat jedoch Grenzen. Um z. B. die Verständlichkeit zu gewährleisten, kann manchmal nicht auf produktspezifische Inhalte verzichtet werden (z. B. Einbausituation eines Bauteils in einem Gehäuse). Solange jedoch große Teile des Moduls für mehrere Produkte gelten, lohnt sich die Variantenbildung innerhalb eines Moduls.

Variantenspezifische Teile eines Moduls können – entsprechend markiert (z. B. durch ein Attribut auf einem XML-Element) – nebeneinander stehen. Bei der Publikation werden diese für eine bestimmte Variante durch Filterung ein- oder ausgeblendet.


Klassifizierung von Inhalten

Inhalte zu standardisieren bedeutet auch, sie zu klassifizieren und zu ordnen. Sinnvoll ist eine Klassifizierung nach:
  • Informationsart (z. B. auf Kapitelebene "Technische Daten", "Wartungsinformation")
    Produktprogramm
  • Aufbau des Produkts (z. B. modularer Aufbau von Maschinenteilen)
In vielen Fällen wird man eine mehrdimensionale Klassifizierung vornehmen (z. B. Kapitel und Baugruppe). Ob die Klassifizierungsinformation über Metadaten, Dateinamen oder in der Ablagestruktur "sichtbar" gemacht wird, hängt maßgeblich davon ab, wie die Suche nach Modulen und der Zugriff auf die Module gestaltet werden.


Weiterführende InformationenTeil II der Artikel-Serie "Mit Redaktions-Know-how und CMS zum effizienten Übersetzungsprozess"


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