28.08.2007
Quellentextangabe ABZ 04/2007

Großanlagen-Dokumentation fordert immer schneller Resultate

Von der Tendenz zu immer kürzeren Fertigstellungszeiträumen ist auch der Bereich des Großanlagenbaus betroffen. Investitionen in eine Großanlage sollen sich möglichst schnell bezahlt machen. Durch die knappen Zeit- und oft auch Budgetvorgaben entstehen zusätzliche Abhängigkeiten. Verzögerungen können dabei dramatische Auswirkungen haben. Denn zum geplanten Fertigstellungszeitpunkt wird Personal eingestellt und geschult, werden Rohmaterialien beschafft und sonstige infrastrukturelle Maßnahmen eingeleitet. Deshalb ist es enorm wichtig, dass alle Projektschritte sorgfältig geplant und ständig überwacht werden. Das gilt in gleichem Maße für die Erstellung der Dokumentation.

Die Arbeitsgemeinschaft Großanlagenbau (AGAB) im VDMA meldete für das Jahr 2006 einen Rekord beim Auftragseingang. Mit einem Volumen von 26,3 Mrd. Euro wurde das höchste Bestellvolumen seit Gründung der Organisation im Jahre 1969 erzielt. Auch für 2007 erwartet der VDMA eine anhaltend positive Entwicklung. Im Bereich des internationalen Großanlagenbaus holt vor allem China rasch auf. Den derzeit noch relativ geringen Marktanteil von fünf Prozent wollen die Chinesen durch eine überaus aggressive Preispolitik rasch vergrößern. Unterstützt auch durch politische Privilegien können sie teilweise zwischen 30 und 50 Prozent unter dem Preisniveau der Europäer anbieten. Die klassischen Kriterien Qualität und Termintreue bekommen daher für deutsche Großanlagenbauer in Europa und auf dem Weltmarkt ein noch höheres Gewicht.

Engpass Anlagen-Dokumentation
Bei der Dokumentation im Großanlagenbau besteht die Planungsphase aus mehreren Abschnitten. Am Beginn steht meist eine Dokumentation für verschiedene Genehmigungsverfahren. Nach einem oder mehreren Korrekturläufen mit Kunden und Behörden erfolgt dann erst die Feinplanung der verschiedenen Anlagen-Komponenten. Die Dokumentation dieser Komponenten betrifft nicht nur die eigentliche Anlage selbst, sondern auch umgebende Gebäude, Büro- und Lagerflächen, Verkabelungen und Rohrleitungen für die Energieversorgung und Speisung mit Rohstoffen etc.

Die Dokumententypen sind dabei sehr unterschiedlich: Neben der Erstellung der klassischen Technischen Dokumentation müssen Schaltpläne, Wartungstabellen und -pläne sowie zahlreiche Zuliefererdokumente integriert werden.

Anforderungen verändern sich im Projektzeitraum laufend
Während der gesamten Projektlaufzeit, die sich oft über mehrere Jahre erstreckt, ist der Aufwand für die Dokumentation der verschiedenen Projektabschnitte unterschiedlich ausgeprägt. Ständige Herausforderung an die Planung ist es, auf Personalveränderungen, neue und veränderte Vorschriften, Erweiterungen der Anlage und sonstige unvorhersehbare Anforderungen und Konflikte angemessen reagieren zu können.

Ein Dokumentationsprojekt wird vor allem dann plangemäß verlaufen, wenn die Beteiligten frühzeitig über das notwendige Know-how im Zusammenhang mit den Anforderungen wie Gesetze, Normen und Formvorschriften verfügen und den Umgang mit den geeigneten Werkzeugen und Hilfsmitteln beherrschen.

Ein weiterer Schwerpunkt muss auf die Bereiche Controlling und Qualitätsmanagement gelegt werden. Durch eine ständige Statusüberwachung und ein entsprechendes Berichtswesen können im Fall von Verzögerungen frühzeitig geeignete Schritte eingeleitet werden. Qualitätsanforderungen können durch einen möglichst hohen Automatisierungsgrad bei der Erstellung der Dokumente erfüllt werden. So sollten zum Beispiel Verweise, Indizes, Verzeichnisse, Inhaltsangaben etc. stets systemunterstützt generiert werden, um Fehlerquellen auszuschließen. Aufwändige Korrekturschleifen können so minimiert werden.

Während der Bau- und Konstruktionsphase durchgeführte Änderungen und Erweiterungen der Anlage müssen sich in der Anlagendokumentation wiederfinden. Auch hier gilt es, frühzeitig Prozesse und Mechanismen einzuplanen.

Ressourcenfresser Übersetzungen
Bei der grenzüberschreitenden Planung und Errichtung der Großanlage muss zusätzlich der Übersetzungsprozess in die Abläufe integriert werden. Denn neben der Quellsprache muss die Gesamtdokumentation auch in der jeweiligen Landessprache vorliegen. Insbesondere der Umgang mit Zuliefererdokumenten, Plänen und landesspezifischen Anforderungen an die Dokumente muss hier berücksichtigt werden.

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