Datenmodellstandards für digitale Produkt-Zwillinge

Grafik Produktdaten Erstellen eines digitalen Zwillings

Bereits während meines Studiums hatte ich erste Berührungspunkte mit Datenmodellen und den damit interagierenden Klassifikationsstandards. Jetzt bei der TANNER AG, die beispielsweise die Klassifikation eCl@ss seit Jahren für Kunden anwendet, kann ich das theoretische Wissen in die Praxis umsetzen. In diesem Blogbeitrag stelle ich verschiedene Datenmodellstandards vor und zeige anhand eines Beispiels, wie ein Datenmodell aussehen kann.

Um Wissen über Produkte zu digitalisieren, werden sogenannte Datenmodelle genutzt. Diese bilden mit elektronischen Schablonen Wissen in digitalen Modellen ab. Gleichzeitig gibt es auch Metadatenmodelle wie den Standard ISO 11179, mit denen sich Datenmodelle und die dazugehörigen Schablonen neu erstellen lassen.

Datenmodelle ermöglichen die Beschreibung von Produkten mittels einer standardisierten Methode. In Verbindung mit der Klassifikation von Produktdaten werden Datenmodelle für die Digitalisierung von Produktwissen benötigt. Dabei bestehen die Datenmodelle aus Klassen, in welche Produkte einsortiert (= klassifiziert) werden. Die Klassen enthalten wiederum Merkmale, Merkmalswerte und Merkmalseinheiten. Mehr zum Thema Klassifikation erfahren Sie in unserem Blogbeitrag „Was Sie über Klassifikationsstandards im eBusiness wissen sollten“.

Ziele von standardisierten Datenmodellen

Standardisierte Datenmodelle, wie z. B. BIM, ermöglichen in Phasen der Planung und Optimierung von Lösungen und Anwendung der Produkte, digitale Zwillinge der Produkte nutzen zu können. Der Anwender kann so den Nutzen der Produkte im konkreten Einsatzbereich bewerten und die spezifischen Eigenschaften im Einsatz erproben – ohne physischen Zugriff auf das Produkt zu haben.

Was ist ein Datenmodell?

Ein Datenmodell ist ein Modell der zu beschreibenden und verarbeitenden Daten eines Anwendungsbereichs und ihrer Beziehungen zueinander. Durch Datenmodelle wird die Struktur der Daten festgelegt, die beispielsweise durch Informationssysteme weiterverarbeitet werden.

Datenmodelle erfordern die eindeutige Festlegung,

  • welche Felder
  • mit welchen Eigenschaften abgebildet werden und
  • innerhalb welcher Grenzen die enthaltenen Werte liegen müssen.

Diese Festlegungen können mit Hilfe von Normen standardisiert und somit über Unternehmensgrenzen hinweg einheitlich gestaltet werden.

Der Klassifikationsstandard eCl@ss berücksichtigt wesentliche Normen (z. B. DIN EN 61360-2) und kann damit als Basis für ein vollständig genormtes Modell zur Abbildung von digitalem Wissen über Produktdaten verwendet werden.

Wie ein Datenmodell für eine explosionsgeschützte Taschenlampe aussehen könnte

Um zu verstehen, wie Produktwissen als digitaler Zwilling abgebildet werden kann, beschreibe ich im Folgenden Produktwissen für eine Taschenlampe. So müsste ein für Menschen verständlicher Text lauten:

„Die TL-TAG7777 von Taschenlampen Inc. ist eine ökonomische und ökologische Taschenlampe. Ihre Lichtqualität ist perfekt auf das Energiekonzept des Akkubetriebs abgestimmt: Bis zu 1.000 gigantische Lumen Lichtstrom bei bis zu 210 Metern Leuchtweite stecken in der nur 16,6 cm kurzen Taschenlampe. Die TL-TAG7777 schont die Umwelt und den Geldbeutel, das zeigen auch die RoHS-konforme Produktion und ihre REACH-Registrierung. Durch das komfortable Floating Charge System ist sie schnell bei der Hand, wenn man sie braucht. Betrieben wird die explosionsgeschützte Taschenlampe (Ex ia) von vier AA-Zellen. Trotz ihres geringen Gewichtes von 115 g ist sie schlag- und stoßgeschützt und arbeitet bei Temperaturen von – 20° C bis 50 °C störungsfrei. Die TL-TAG7777 weist den Impressionsschutz IP67 auf und kommt inklusive Leuchtmittel.“

Wird das Produktwissen nun in ein Datenmodell überführt und damit auch für Maschinen verständlich, müsste ein Datenmodell für die beschriebene Taschenlampe wie folgt aussehen:

Tabelle Datenmodell Taschenlampe

Datenmodell-Standards im Überblick

Diese Tabelle zeigt die Standards DIN EN 61360-2, BIM und ISO 11179, die als Basis digitaler Datenmodelle dienen:

Tabelle Datenmodell Standards im Ueberblick

Dieser Artikel ist der zweite Teil unserer Produktdaten-Serie. Den Auftakt bildete der Beitrag „Was Sie über Klassifikationsstandards für Produktdaten im eBusiness wissen sollten“. Weitergehende Informationen zum Produktdatenmanagement erhalten Sie auch auf unserer Landingpage „So machen Sie Ihre Produktdaten fit für die Zukunft“. Im nächsten Artikel zu unserer Serie bloggt Alexander Witzigmann über Katalogaustauschformate und wie sich Produktdaten über Unternehmensgrenzen hinweg austauschen lassen.

Stehen auch Sie vor der Herausforderung, Ihre Produktdaten zu digitalisieren? Dann freue ich mich auf einen Austausch mit Ihnen, gern über unsere Kommentarfunktion oder mailen oder rufen Sie mich einfach unter 08382/272-132 an!

Hinterlasse einen Kommentar