Das erste Brainstorming – oder: der Weg ist das Ziel

Keyvisual vom 10. Hochschulwettbewerb Elektronik-Komponenten

Auch das Hochschulteam Böttges von der RWTH Aachen nimmt am 10. TANNER-Hochschulwettbewerb teil. In ihrem Blog-Beitrag schildert das Team das erste Brainstorming zur Aufgabenstellung. Diesjähriger Industriepartner ist die Phoenix Contact GmbH & Co. KG, die mit der Aufgabe die Studierenden vor die Herausforderung stellt, das zukunftsweisende Thema Industrie 4.0 anhand eines realen Projekts erleb- und begreifbar zu machen.

Bei unserem ersten Brainstorming haben wir überlegt, welche Stärken unser Team bündelt. Peter Böttges studiert Technik-Kommunikation mit Schwerpunkt Maschinenbau und begeistert sich für technische Detailverliebtheiten und ansprechendes Design. Myriam Moser studiert Literatur-, Sprach- und Kommunikationswissenschaft und interessiert sich für Strategien zur Vermittlung komplexer Themen. Zusammen ergänzen wir uns perfekt und sind gewappnet für den TANNER-Hochschulwettbewerb.

Erster Schritt: Gut Ding will Recherche haben

Unsere ersten Überlegungen lauteten: Was genau ist Industrie 4.0 überhaupt und auf welchem Stand ist der deutsche Mittelstand diesbezüglich? Peter recherchierte die Entwicklungen hin zu Industrie 4.0:

Grafik von Industrie 1.0 zu Industrie 4.0

Wir stellten fest, dass Industrie 4.0 in erster Linie für die Vernetzung innerhalb der Wertschöpfungskette steht. Hierunter werden die Konzepte des „Internets der Dinge“ verstanden:

Zum einen die Maschine-zu-Maschine-Kommunikation, welche die Selbststeuerung der logistischen und produzierenden Prozesse ermöglicht, zum anderen Konzepte des „Big Data“ bzw. „Data Minings“, also der Auswertung von u. a. mittels Sensortechnik erhobenen Prozessdaten. Auch wenn der Begriff Industrie 4.0 die vierte industrielle Revolution kennzeichnet, bedeuten die dabei ergriffenen Maßnahmen nicht zwangsläufig revolutionäre Veränderungen im Produktionsablauf – sie sind vielmehr Evolution, ermöglicht durch den Fortschritt der Informations-Technologie. Nach der Nutzbarmachung von Dampfmaschinen, der Fließbandproduktion sowie dem Einsatz von IT und Elektronik zur Automatisierung, setzen Unternehmen in Zukunft verstärkt auf cyber-physische Systeme. Der Vorteil dieser hohen Komplexität? Flexibilität in der Produktion, die auch die wirtschaftliche Herstellung kleiner Losgrößen bis zur Fertigungsmenge 1 gestattet. Die dadurch begünstigte schnelle Reaktionsfähigkeit auf Kundenaufträge sichert langfristige Wettbewerbsfähigkeit.

Zitat Prof. Wahlster DFKI GmbH

Zweiter Schritt: Von der Theorie zur Praxis

Nach diesem technischen Input widmeten wir uns der eigentlichen Aufgabe: Der Entwicklung einer Kommunikationsstrategie, um Kunden die Vorteile der vernetzten Produktion der Axioline-I/O-Systeme durch Phoenix Contact zu verdeutlichen. Als Diskussionsbasis notierte Myriam dazu auf einem Whiteboard die Laswell’sche Formel: Wer sagt was in welchem Kanal zu wem mit welchem Effekt?

Mit Hilfe dieser Formel präzisierten wir gemeinsam unsere Anforderungen für das Projekt – wir sollen für Phoenix Contact ein Marketing-Konzept zur Wissensvermittlung erstellen. Als gewünschten Effekt identifizierten wir die Zielsetzung, die Rezipienten von dem Produktionsvorteil „Industrie 4.0“ zu überzeugen, den die Axioline-Produktionslinie bietet. Wer, was und mit welchem Effekt hätten wir somit geklärt – bleiben die Frage nach der Zielgruppe und vor allen Dingen die Wahl des richtigen Kommunikationskanals, denn nach Marshall McLuhan gilt: The medium ist the message.

Durch unsere Teilnahme am Online-Meeting konkretisierte sich unser Verständnis des von Phoenix Contact angebotenen Produktes und somit auch der Zielgruppe. Unsere Kommunikation richtet sich demnach an die Kunden der Endprodukte, also an die „Entscheider“ im Einkauf in mittelständischen Unternehmen der Maschinenbau-Branche. Offen bleibt die Frage nach dem richtigen Kanal. Wir diskutieren und befragen kurzerhand Bekannte, die im Einkauf eines Technologiekonzerns gearbeitet haben – dies bringt uns zunächst dazu, Medienformen auszuschließen. Ein E-Learning-Angebot erscheint uns persönlich weniger hilfreich, da es den Adressaten eine hohe intrinsische Motivation abverlangt und die relevanten Informationen nicht bündelt, was die innerbetriebliche Weitergabe des angeeigneten Wissens erschwert. Ferner beschäftigt uns die grundlegende Frage, ob die Empfänger solche Informationen online oder offline bevorzugen und mit welchem Charakter diese präsentiert werden sollen: als Fachartikel, Broschüre, Brief, YouTube-Video, Newsletter oder Microsite? In jedem Fall muss die gewählte Realisierungsform die Gelegenheit bieten, unterschiedliche Wissensstände bezüglich Industrie 4.0 zu berücksichtigen.

Außerdem ergänzen wir die Laswell’sche Formel um die Art und Weise der Kommunikationsinhalte, weil uns die richtige Wortwahl unabdingbar erscheint, um branchenüblich zu kommunizieren und die Zielgruppe anzusprechen: Wir überlegen also, welchen Wortschatzes sich die Marketing-Experten von Phoenix Contact bedienen würden – auch Corporate Language genannt – und welche Regeln der Darstellung im Sinne des Corporate Designs zu beachten sind. Diesen Fragen wollen wir im nächsten Online-Meeting nachgehen.

Nächster Schritt: Es bleibt spannend …

Zu viel verraten wollen wir natürlich nicht – schließlich ist der Wettbewerb zu diesem Zeitpunkt noch in vollem Gange. Klar ist: In den nächsten Wochen werden wir weiter an unserem Konzept tüfteln. Uns kommt dabei zugute, dass wir beide Nachtschichten nicht scheuen, auf die motivierende Kraft von Kaffee und Schokolade setzen und Lust haben, die Jury und die anderen Teams kennenzulernen. In diesem Sinne: Viel Erfolg allen Beteiligten!

Erfahren Sie mehr über die teilnehmenden Teams: Team Speransky stellt sich im Blog vor und schildert seine ersten Eindrücke zur Aufgabenstellung.

Bildquellen

  • 10. Hochschulwettbewerb Keyvisual Phoenix Contact: Thomas Franz
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